Stillen oder Fläschchen? Vor- und Nachteile

Für einen guten Start ins Leben: Ein Baby isst anders. Es ist noch sehr empfindlich und eine spezielle Nahrung ist Grundvoraussetzung für ein gesundes Wachstum. Umso wichtiger ist deshalb eine optimale Ernährung von Anfang an. Stellt sich nur die Frage, Stillen oder Fertignahrung?

Stillen – die natürlichste Sache der Welt

Wirft man einen Blick zurück, merkt man schnell, dass Stillen nicht immer die natürlichste und gesündeste Sache der Welt war. Im Mittelalter galt Muttermilch als ungesund, ja sogar schädlich. Im 18. Jahrhundert jedoch wurde das Stillen zur mütterlichen Pflicht und mangels Alternativen zur Selbstverständlichkeit, denn die erste synthetische Milch wurde erst Mitte der 1960er entwickelt.

Heute können Babys problemlos mit Pre-Nahrung ernährt werden. In Drogerien, Fachgeschäften, beim Discounter und natürlich auch dem Zeitgeist entsprechend im Onlineshop gibt es eine große Auswahl an unterschiedlichen Produkten, alle auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Trotz des großen Angebots an Fertignahrung vom ersten Tag an, gibt es die Wende zurück zur Natur, zum Stillen. Und neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, wie richtig das ist. Mit anderen Worten: Stillen wird neu definiert, Frauen entscheiden sich bewusst dafür, wieder auf den Körper zu hören, indem sie in der Stillzeit den Rhythmus ihres Babys übernehmen und so dem Nachwuchs näher kommen.

Muttermilch ist die ideale Säuglingsnahrung

Durch das Stillen werden drei Grundbedürfnisse des Babys erfüllt: die Nahrungsaufnahme, das Saugen sowie der enge Kontakt zur Mutter. Die Muttermilch ist die beste Nahrung für das Baby. Neben den lebensnotwendigen Vitaminen und Nährstoffen enthält Muttermilch Antikörper zum Schutz vor Infektionskrankheiten.

Der Saugreflex wird beim Baby durch die Berührung des Mundes ausgelöst. Das Neugeborene beginnt zu saugen, sobald der Mund die Brust der Mutter berührt. Der Mund übernimmt somit die wichtigste Rolle bei der Herstellung der ersten Umweltkontakte.

Von großer Bedeutung ist der Körperkontakt. Die enge Berührung mit der Brust ist der erste soziale Kontakt des Säuglings. Diese emotionale Entwicklung zwischen Mutter und Kind bestimmt wesentlich mit, inwieweit das Baby später selbst in der Lage ist, Mitmenschen Vertrauen und Liebe entgegenzubringen.

Die wichtigsten Vorteile des Stillens im Überblick

  • Im Vergleich zu Fertignahrung riecht und schmeckt Muttermilch immer anders, je nachdem, was die Mutter isst. Diese Vielfalt hilft dem Baby, seinen Geschmack zu entwickeln.
  • Langes Stillen, parallel zur Beikost ab dem fünften Lebensmonat, beugt Allergien vor.
  • Stillen wirkt prophylaktisch gegen Übergewicht. Studien zeigen, dass gestillte Babys als Kinder weniger zu Übergewicht tendieren als nicht gestillte Kinder.
  • Experten sind überzeugt, dass gestillte Babys später ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus haben und viel besser mit Stress umgehen können.

Stillen hat auch für Frauen Vorteile

  • Unabhängig und mobil, das sind wohl, neben der körperlichen Nähe, die zwei wichtigsten Argumente für das Stillen. Zu jeder Zeit und an fast jedem Ort ist das Stillen möglich. Keine Zubereitungszeit, kein Fläschchen sterilisieren und eine enorme Kostenersparnis, denn Stillen ist ja bekanntlich kostenlos.
  • Stillende Frauen erreichen nach der Geburt schneller ihr Idealgewicht, weil während des Stillens mehr Energie verbraucht wird.
  • Oxytocin, das Glücks- und Kuschelhormon, ist nicht nur für den Stillvorgang wichtig, sondern beeinflusst positiv die Rückbildung des Uterus.

Wenn es Zeit zum Abstillen wird

Wie lange soll eigentlich gestillt werden? Mütter, die sich über die Dauer des Stillens informieren, sind mit widersprüchlichen Aussagen konfrontiert und oft auch verunsichert. Die Empfehlungen reichen von sechs Monate bis hin zu einem Jahr. In sozialen Medien tauchen sogar Meldungen auf, dass Kinder bis zu ihrem fünften oder sechsten Lebensjahr gestillt werden. Grundsätzlich gilt: Jeder Stilltag, den das Baby genießen darf, nützt seiner Gesundheit.

Bis zum Ende des vierten, Anfang des fünften Lebensmonats kann das Baby die Nahrung nur durch Saugen aufnehmen. Wer zum Beispiel schon im dritten Monat versucht, das Baby mit dem Löffel zu füttern, wird kläglich scheitern. Deshalb beginnt man ab der 20. Lebenswoche Brei mit dem Löffel zu füttern. Dann wird eine Stillmahlzeit nach der anderen durch einen Brei ersetzt. Schließlich kommt der Tag, an dem das Baby von selbst abstillt, meist zwischen dem 10. und 12. Lebensmonat, es trinkt dann aus der Tasse.

Ein ehrliches Wort zum Stillen

Wer mit Gynäkologen, Hebammen oder mit dem Personal der Entbindungsklinik spricht, wird über die Vorteile des Stillens viel erfahren. Doch es muss auch ein kritisches Wort erlaubt sein, denn Stillen kann auch Nachteile haben:

  • Stillprobleme durch wunde und schmerzhafte Brustwarzen.
  • Müdigkeit und Energieverlust, weil das Baby immerzu trinken möchte.
  • Mütter müssen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das kann den Wiedereinstieg in die Berufswelt erschweren.
  • Verzicht auf Alkohol und Nikotin ist unvermeidbar.
  • Probleme mit der Sexualität durch Schmerzen bei Berührungen im Brustbereich.

Säuglingsnahrung als Alternative zur Muttermilch

Es gibt viele Gründe, zur Babyflasche zu greifen. Vielleicht wird kurz nach der Geburt wieder die berufliche Tätigkeit aufgenommen, vielleicht zwingt eine Erkrankung die Mutter auf das Stillen zu verzichten, vielleicht wird nicht ausreichend Milch gebildet oder man will einfach nicht Stillen.

Auch Flaschenkinder wachsen gut versorgt heran, wenn sie die ihrem Alter entsprechende Milchnahrung bekommen. Die Zusammensetzung der Nahrung wird kontinuierlich verbessert, die Nahrungsmittelindustrie forscht intensiv auf diesem Gebiet. Babys, die mit Säuglingsmilchnahrung gefüttert werden, entwickeln sich nicht schlechter als gestillte Kinder. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach, die richtige Nahrung und das richtige Zubehör aus dem Riesenangebot zu wählen.

Beitrag: Babyschlaf: Warum brauchen Neugeborene so viel Schlaf?

Zeitlicher und finanzieller Mehraufwand

  • Die Zubereitung erfordert einen wesentlich größeren Aufwand als das Stillen.
  • Flaschen und Sauger müssen gründlich gereinigt werden.
  • Die Zubereitung muss, wie an der Packung ersichtlich, genau eingehalten werden.
  • Die Milchnahrung sollte immer frisch zubereitet werden.
  • Ob Mineral- oder Leitungswasser, das Wasser muss immer abgekocht werden.
  • Säuglingsnahrung belastet das Haushaltsbudget.

Die Vorteile des Stillens überwiegen und der Vorgang des Stillens ist sicher ein weiterer wesentlicher Faktor für die Bindung zwischen Mutter und Kind. Trotzdem sollte sich jede Frau bereits während der Schwangerschaft Gedanken über das Stillen machen und sich nur dann dafür entscheiden, wenn sie es aus Überzeugung möchte. Nicht, weil es von ihrem sozialen Umfeld erwartet wird oder es dem momentanen Zeitgeist entspricht. Mütter, die sich für die Flasche entscheiden, können beruhigt sein, denn Pre-Nahrung hat zwar einige Nachteile, schadet dem Baby jedoch nicht.

Foto von MART PRODUCTION von Pexels

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